Daten & Methodik

Saisonbereinigung: erst addieren oder erst bereinigen?

Identische Rohdaten können je nach Berechnungsweg zu unterschiedlichen bereinigten Gesamtwerten führen. Das wird relevant, sobald eine Monatsbewegung einzelnen Branchen zugerechnet werden soll.

Ein Obstbauer beschneidet kahle Apfelbäume in einer winterlichen Plantage.

Die Ebene der Bereinigung wählen

Beim direkten Verfahren wird die Gesamtzeitreihe bereinigt. Beim indirekten Verfahren geschieht das zunächst für jede Teilreihe, anschließend werden die Ergebnisse addiert. Heizgeräte und Gartenbedarf haben etwa unterschiedliche Saisonspitzen. Ihre getrennte Behandlung kann solche Muster besser abbilden. Sind die Teilreihen dagegen kurz oder stark zufallsbehaftet, kann die direkt bereinigte Gesamtreihe aussagekräftiger sein. Für die Wahl zählen verbleibende Saisoneffekte und Revisionsstabilität; eine optisch besonders glatte Kurve ist kein Qualitätsbeweis.

Die Rechnung offenlegen

Zwei Sparten verkaufen im Beispiel 120 und 80 Stück. Bei geschätzten Saisonfaktoren von 1,20 und 0,80 ergeben sich indirekt bereinigt 100 plus 100, also 200 Stück. Wird für die Gesamtmenge von 200 unabhängig ein Faktor von 1,02 geschätzt, erhält man direkt rund 196,1 Stück. Die beispielhaften Faktoren widersprechen einander nicht. Für die Monatsrate müssen die bereinigten Niveaus beider Monate ins Verhältnis gesetzt werden. Ein ungewichteter Mittelwert der Spartenraten wäre nur bei gleich großen Ausgangswerten angemessen.

Sondereffekte nicht wegerklären

Bewegliche Feiertage, unterschiedlich viele Arbeitstage und außergewöhnliche Werksschließungen wirken verschieden. In den Methodenangaben lässt sich prüfen, was geschätzt wird und ob beispielsweise eine einmalige Schließung in der bereinigten Reihe sichtbar bleibt. Neue Monate können ältere Saisonfaktoren gerade am aktuellen Rand verändern. Stammt der jüngste Ausschlag beinahe vollständig aus einer Sparte, lohnt der Vergleich mehrerer Veröffentlichungsstände, bevor er als Wendepunkt des gesamten Industriezyklus gilt.

Für die Praxis

In beiden Vergleichsmonaten dasselbe Verfahren verwenden und vorab klären, ob die Teilreihen zum veröffentlichten Gesamtwert addierbar sein sollen.