Unternehmensanalyse

Gewinn je Aktie: Rückkauf und Gewinnwachstum trennen

Ein höherer Gewinn je Aktie kann aus besseren Ergebnissen, einer geringeren Aktienzahl oder beidem folgen. Eine belastbare Überleitung rekonstruiert zunächst den Nenner und untersucht anschließend die Finanzierung.

Hände ordnen Stapel verschiedenfarbiger Stimmkarten auf einem Konferenztisch.

Den gewichteten Durchschnitt berechnen

Ausgangspunkt sind das den Stammaktionären zurechenbare Ergebnis und die zeitgewichtete Zahl ausstehender Stammaktien. Der Jahresendbestand eignet sich nach größeren Transaktionen nicht als Ersatz. Ein Unternehmen erzielt im Beispiel zehn Millionen Euro Gewinn und beginnt das Jahr mit zehn Millionen Aktien. Genau zur Jahresmitte kauft es zwei Millionen zurück; weitere Änderungen gibt es nicht. Bei zwei gleich langen Teilperioden beträgt der Durchschnitt neun Millionen Aktien. Der unverwässerte Gewinn je Aktie liegt bei rund 1,11 Euro. Acht Millionen Aktien vom Jahresende ergäben fälschlich 1,25 Euro.

Die Einflüsse einzeln einsetzen

Zuerst wird der Nenner des Vorjahres beibehalten, damit der Ergebniseffekt sichtbar wird. Anschließend wird der neue gewichtete Durchschnitt eingesetzt. Im Beispiel bleibt der Gewinn gleich: Der Anstieg von 1,00 auf 1,11 Euro entsteht ausschließlich durch die Aktienzahl. Tatsächliche Rückkäufe müssen zudem gegen neue Mitarbeiteraktien oder als Kaufpreis ausgegebene Aktien gerechnet werden. Ein genehmigtes Rückkaufprogramm allein belegt noch keine einzige Transaktion. Entscheidend sind die ausgeführten Geschäfte und ihr Zeitpunkt.

Verwässerung und Finanzierung prüfen

Beim verwässerten Gewinn je Aktie spielen zusätzlich berücksichtigungsfähige potenzielle Stammaktien und gegebenenfalls Anpassungen des Gewinns eine Rolle. Rückkäufe beseitigen diesen Unterschied nicht zwangsläufig. Wurde der Kauf aus überschüssiger Liquidität oder aus Schulden bezahlt? Entgangene Zinserträge und höhere Zinskosten können das Ergebnis verändern. Ein kleinerer Nenner verbessert die Kennzahl auch dann, wenn der gezahlte Kaufpreis wirtschaftlich wenig attraktiv war.

Für die Praxis

Den Gewinn je Aktie zunächst mit der Vorjahresaktienzahl berechnen; erst nach Abgleich der Transaktionen und Finanzierung einen operativen Fortschritt ableiten.