Transportpreis und Transportzeit trennen
Eine Frachtofferte verrät wenig über den Wert der Ware, die länger auf See bleibt. Im Seeverkehrsbericht 2024 beschrieb UNCTAD, wie Störungen auf wichtigen Routen die Fahrwege verlängerten. Für einen bestimmten Transport sollte die Betrachtung vom Versand über den Löschhafen bis zur Anlieferung ins Lager reichen. Aussagekräftig sind Vergleiche mit derselben Strecke und Leistungsqualität. Ein planmäßig längerer Seeweg und eine unberechenbare Wartezeit am Kai führen zu unterschiedlichen Anforderungen an den Sicherheitspuffer.
Die zusätzlichen Tage bewerten
Ein Importeur bezieht über das Jahr gleichmäßig Waren im Einstandswert von 365 Millionen Euro. Zehn zusätzliche Transporttage binden bei 365 Kalendertagen rechnerisch weitere zehn Millionen Euro in der Lieferkette. Muss er diesen Mehrbestand dauerhaft vollständig zu sechs Prozent finanzieren, entstehen rund 600.000 Euro zusätzliche Finanzierungskosten pro Jahr. Die zehn Millionen Euro selbst sind Kapitalbedarf, kein Aufwand in gleicher Höhe. Zahlungsziele der Lieferanten, Anzahlungen und der vereinbarte Übergang der Verfügungsmacht verändern den tatsächlichen Finanzierungsbedarf. Bestehen solche Mehrbestände nur drei Monate lang, ist auch der zusätzliche Zinsaufwand für diesen Zeitraum anzusetzen; der volle Jahresbetrag wäre zu hoch.
Die Belastung in der Bilanz suchen
Zahlungstermine gegenüber Lieferanten gehören neben die Zeitpunkte der Kundeneingänge. Höhere Vorräte können auf vorsorgliche Einkäufe statt auf längere Reisen zurückgehen; höhere Lieferantenverbindlichkeiten können sie teilweise finanzieren. Hilfreich ist die Aufteilung in Ware unterwegs, verkaufsfähige Bestände und Sicherheitslager. Bei unzuverlässigen Ankunftsterminen verhindert eine Luftfrachtsendung eventuell einen Lieferausfall. Ihre Kosten tauchen jedoch in keinem Seefrachtindex auf und gehören deshalb gesondert in die Rechnung.
Für die Praxis
Für jede Etappe Eigentum, Zahlung und Versicherung festhalten. Erst dann lässt sich die rechnerische Verzögerung in einen Liquiditätsbedarf übersetzen.