Vertrag und Verhalten auseinanderhalten
Tagesgeld ist kurzfristig abziehbar. Sein Zinssatz muss deshalb aber nicht am Tag einer Leitzinsänderung angepasst werden. Umgekehrt kann ein variabler Kredit erst am nächsten vertraglichen Stichtag neu verzinst werden. Eine brauchbare Übersicht trennt Zinsanpassungen bei Krediten, Fälligkeiten der Refinanzierung und angenommene Änderungen administrierter Einlagenzinsen. Annahmen für Einlagen ohne feste Laufzeit sind sichtbar zu kennzeichnen. Frühere Erfahrungswerte können sich ändern, sobald Sparer für einen Wechsel deutlich höhere Zinsen erhalten.
Einen begrenzten Schock rechnen
Im Beispiel werden Kredite über 100 Millionen Euro sofort vollständig neu verzinst. Ihnen stehen Einlagen in gleicher Höhe gegenüber. Gibt die Bank einen Zinsanstieg von einem Prozentpunkt zu 40 Prozent ohne Verzögerung weiter, steigen die jährlichen Kreditzinsen um eine Million und die Einlagenkosten um 0,4 Millionen Euro. Die Differenz von 0,6 Millionen ist eine vereinfachte Jahreswirkung auf diesen Ausschnitt. Spätere Kreditanpassungen, Wechsel in Termineinlagen oder bestehende Zinssicherungen können den Effekt im Berichtszeitraum deutlich verändern.
Ertrag und Barwert unterscheiden
Der Zinsüberschuss der kommenden zwölf Monate misst nicht den Barwert aller künftigen Zahlungsströme. Langfristige Festzinskredite können wirtschaftlich an Wert verlieren, während der zuletzt ausgewiesene Zinsüberschuss steigt. Beide Kennzahlen verdienen daher eigene Szenarien für parallele und nicht parallele Verschiebungen der Zinskurve. Hängt das Ergebnis vorwiegend vom Verhalten der Einleger ab, ist eine zweite plausible Annahme aussagekräftiger als eine scheinpräzise einzelne Zahl.
Für die Praxis
Für jede Einlagengruppe Weitergabequote und Verzögerung getrennt angeben. Sicherungsgeschäfte berücksichtigen, bevor ein Jahreseffekt abgeleitet wird.